Amazon Nettogewinn berechnen 2026: Was bleibt pro Verkauf wirklich übrig?

Was bleibt bei einem Verkauf auf Amazon Türkiye übrig? Verkaufsgebühr plus 20 % Umsatzsteuer, FBA gegen eigenen Versand, 1 % Quellensteuer, Umsatzsteuer-Zahllast und Produktkosten — Schritt für Schritt mit Zahlen.

10 Min. LesezeitVerimle Redaktion

Im Seller Central siehst du, dass ein Artikel für 300 TL verkauft wurde — aber diese 300 TL landen nie vollständig auf deinem Konto. Die Lücke ist kein einzelner Posten: die Verkaufsgebühr (Referral Fee), die darauf aufgeschlagene Umsatzsteuer, die Kosten für FBA oder den eigenen Versand, 1 % Quellensteuer auf die Einkommensteuer, die an den Staat abzuführende Umsatzsteuer und deine Produktkosten. Dieser Artikel beantwortet die Frage „Wie viel habe ich bei Amazon wirklich verdient?“ aus Verkäufersicht, Posten für Posten und mit konkreten Zahlen — am Ende siehst du Schritt für Schritt, was von einem Verkauf über 300 TL tatsächlich übrig bleibt. Wenn du die Rechnung nicht von Hand führen willst, übernimmt der Amazon Gewinnrechner dieselben Schritte für dich.

Was bleibt bei einem Amazon-Verkauf übrig? Das große Bild

Die erste Voraussetzung für einen korrekt aufgebauten Nettogewinn ist zu wissen, welcher Posten vom Verkauf abgeht. Bei Amazon Türkiye greifen in einer typischen Bestellung diese Abzüge:

  • Verkaufsgebühr (Referral Fee): ein kategorieabhängiger Satz, angewendet auf den Nettobetrag ohne Umsatzsteuer.
  • Umsatzsteuer auf die Gebühr: auf die Verkaufsgebühr kommen zusätzlich 20 % Umsatzsteuer.
  • Versandkosten: bei FBA die Fulfillment-Gebühr von Amazon + Umsatzsteuer; bei eigenem Versand (MFN) die Kosten deines eigenen Versanddienstleisters.
  • 1 % Quellensteuer: die Vermittlungsplattform behält 1 % des Nettoverkaufsbetrags (ohne Umsatzsteuer) ein.
  • Umsatzsteuer-Zahllast: die vom Kunden vereinnahmte Umsatzsteuer abzüglich der abziehbaren Vorsteuer — der Rest gehört dem Staat.
  • Produktkosten: dein Einkaufs- oder Herstellungspreis.

Ein Teil davon ist ein Satz (Prozent), ein Teil ein fester TL-Betrag, ein Teil sind Steuern. Alles in einen Topf zu werfen und „Umsatz minus Gebühr“ zu rechnen, zeigt den Gewinn zu hoch. Der richtige Weg: jeden Posten auf eine Nettobasis ohne Umsatzsteuer stellen und einzeln abziehen.

Amazon-Verkaufsgebühr: auf den Nettobetrag berechnet, plus 20 % Umsatzsteuer

Der offizielle Name des Amazon-Abzugs ist Referral Fee (Verkaufsgebühr). Genau hier tappen Verkäufer, die von Trendyol kommen, am häufigsten in die Falle: Bei Trendyol wird die Gebühr auf den Bruttopreis inklusive Umsatzsteuer angewendet, und es kommt keine Umsatzsteuer obendrauf. Bei Amazon ist die Logik umgekehrt — der Satz wird auf den Nettobetrag ohne Umsatzsteuer angewendet, und auf den resultierenden Gebührenbetrag kommen 20 % Umsatzsteuer hinzu. Der ausgewiesene Satz liegt also 20 % unter dem Abzug, der dein Konto wirklich verlässt.

Nimm einen Artikel, der für 300 TL (brutto) mit 20 % Umsatzsteuer verkauft wird, und einen Kategoriesatz von 15 %:

  • Nettobetrag ohne Umsatzsteuer: 300 ÷ 1,20 = 250 TL
  • Verkaufsgebühr: 250 × 15 % = 37,50 TL
  • Umsatzsteuer auf die Gebühr: 37,50 × 20 % = 7,50 TL
  • Gesamter von der Auszahlung abgezogener Gebührenbetrag: 45 TL
Kurze Regel: Bei Amazon gilt echte Gebührenkosten = Nettobetrag × Satz × 1,20. Wer den Satz direkt auf den Bruttopreis anwendet und sagt „so viel wird abgezogen“, rechnet den Abzug zu niedrig, weil die Umsatzsteuer auf die Gebühr fehlt.

Wenn dich die ungefähren Sätze je Kategorie interessieren und wie die Gebühren-Umsatzsteuer auf anderen Marketplaces funktioniert, trennt der Amazon Gebührenrechner genau den Teil Gebühr + Umsatzsteuer heraus. Den exakten Satz prüfst du immer in deinem eigenen Amazon Seller Central; alle Sätze hier sind Referenzwerte und ersetzen weder deinen Vertrag noch dein Konto.

FBA oder eigener Versand (MFN)? Woher der Kostenunterschied kommt

Die Versandkosten sind bei Amazon vermutlich der variabelste Posten im Nettogewinn, weil sie je nach gewähltem Modell völlig anders funktionieren. Es gibt zwei Grundmodelle; beide zahlen dieselbe Gebühr, unterscheiden sich aber beim Versand.

FBA (Fulfillment by Amazon)

Du schickst deine Ware ins Lager von Amazon; Kommissionierung, Verpackung, Versand und Kundenretouren übernimmt Amazon. Dafür zahlst du eine Fulfillment-Gebühr pro Stück, die sich nach Größen- und Gewichtsklasse des Artikels richtet und auf die 20 % Umsatzsteuer aufgeschlagen werden. Die zweite, nicht bestellbezogene, aber sehr reale Last von FBA ist die monatliche Lagergebühr — sie wird je Volumen pro Monat berechnet, läuft auch ohne Verkäufe weiter und frisst bei Langsamdrehern still den Nettogewinn. Um die FBA-Kostenposten nach Produktgröße getrennt zu sehen, hilft dir der Amazon FBA Rechner beim Modellieren von Fulfillment und Lagerung.

MFN / FBM (eigener Versand)

Du versendest die Bestellung aus deinem eigenen Lager mit deinem eigenen Versanddienstleister. An Amazon zahlst du keine Fulfillment-Gebühr; stattdessen bekommst du deine eigene Versandrechnung direkt vom Dienstleister. In diesem Modell hängen die Versandkosten an deinem Vertrag und erscheinen nicht in der Auszahlungsübersicht, sondern auf deiner Versandrechnung. Bei geringen Stückzahlen oder großen/schweren Artikeln ist MFN oft günstiger als FBA; du musst aber auch schnelle Lieferung und die Wirkung des Prime-Abzeichens auf die Conversion einrechnen.

Kurze Regel: Bei FBA wird der Versand als fester TL-Betrag und nicht als Satz abgezogen, plus Umsatzsteuer; bei einem günstigen Artikel kann diese Fixgebühr größer sein als die Verkaufsgebühr. Rechne beide Modelle für denselben Artikel durch, bevor du dich entscheidest.

1 % Quellensteuer im E-Commerce: klein, aber bei jedem Verkauf dabei

Nach dem türkischen Gesetz Nr. 7524 behält die Vermittlungsplattform seit 2025 bei Marketplace-Verkäufen in der Türkei 1 % des Nettoverkaufsbetrags ohne Umsatzsteuer als Quellensteuer auf die Einkommensteuer ein und führt sie in deinem Namen an die Steuerbehörde ab. Bei einem Verkauf über 300 TL (brutto) beträgt der Nettobetrag 250 TL und die Quellensteuer 2,50 TL.

Das ist keine zusätzliche Steuer, sondern eine Vorauszahlung, die am Jahresende angerechnet wird. Die Anrechnung passiert aber erst zum Jahresende, während der Abzug heute als Bargeld abfließt — deshalb gehört er in den Nettogewinn je Verkauf. Um die Quellensteuer nach Produkt und Zeitraum getrennt zu sehen, wirf einen Blick auf den Rechner für die E-Commerce-Quellensteuer.

Umsatzsteuer-Zahllast: Was du vereinnahmst, ist nicht dein Geld

Wenn der Kunde dir 300 TL zahlt, sind davon 50 TL Umsatzsteuer (300 − 250). Diese 50 TL sind kein Ertrag; sie sind ein Betrag, den du für den Staat einziehst. Zum Monatsende gilt: Umsatzsteuer-Zahllast = vereinnahmte Umsatzsteuer − abziehbare Vorsteuer. Abziehbar sind die Umsatzsteuer aus dem Wareneinkauf, die Umsatzsteuer auf die Verkaufsgebühr und gegebenenfalls die Umsatzsteuer auf die FBA-Versandgebühr.

Deshalb ist der sauberste Weg zum Nettogewinn, alles netto zu denken: den Verkauf netto ansetzen (250 TL), die Kosten netto abziehen und die Umsatzsteuer als getrenntes Durchlaufkonto führen. So zählst du die Gebühren- oder FBA-Umsatzsteuer nicht doppelt — denn du holst sie dir bereits als Vorsteuer zurück. Um den gesamten Umsatzsteuer-Mechanismus an einem Ort zu sehen, ist der Leitfaden zur Umsatzsteuer im E-Commerce ein guter Anfang.

Nettogewinn Schritt für Schritt: ein Verkauf über 300 TL

Jetzt alles in einem Beispiel. Annahmen: Kundenpreis 300 TL (brutto), der Artikel trägt 20 % Umsatzsteuer, Kategoriesatz 15 %, deine Produktkosten netto 120 TL. Den Gewinn bauen wir auf der Nettobasis auf:

  1. Verkauf netto: 300 ÷ 1,20 = 250 TL (die 50 TL Umsatzsteuer vom Kunden sind ein durchlaufender Posten, kein Ertrag)
  2. Produktkosten (netto): 120 TL
  3. Verkaufsgebühr (Nettoanteil): 250 × 15 % = 37,50 TL — die Umsatzsteuer auf die Gebühr (7,50 TL) ist abziehbare Vorsteuer, also keine Gewinnlast; sie kommt in der Umsatzsteuer-Rechnung zurück
  4. Versand (FBA-Szenario, netto): je nach Produktgröße sagen wir 30 TL (die 6 TL Umsatzsteuer darauf sind wieder abziehbar)
  5. 1 % Quellensteuer: 250 × 1 % = 2,50 TL

Nettogewinn (FBA) = 250 − 120 − 37,50 − 30 − 2,50 = 60 TL. Von einem Verkauf über 300 TL bleiben nach allen Abzügen und Steuern also rund 60 TL übrig — etwa 20 % des Verkaufspreises.

Hättest du denselben Artikel mit dem eigenen Versanddienstleister (MFN) geschickt und deine Versandkosten lägen netto bei 40 TL: 250 − 120 − 37,50 − 40 − 2,50 = 50 TL Nettogewinn. Für genau diesen Artikel ist FBA (30 TL Versand) profitabler als MFN (40 TL); bei einem großen/schweren Artikel oder bei Langsamdrehern, wo sich FBA-Lagergebühren auftürmen, kann sich das Bild drehen. Die Lehre: entscheide über das Modell pro Produkt und mit echten Zahlen, nicht nach allgemeiner Annahme.

Die Umsatzsteuerseite läuft getrennt: vereinnahmte 50 TL − (Vorsteuer Einkauf 24 TL + Gebühren-Umsatzsteuer 7,50 TL + FBA-Umsatzsteuer 6 TL) = 12,50 TL gehen an den Staat. Diese 12,50 TL mindern die 60 TL Gewinn oben nicht, weil wir den Gewinn netto aufgebaut haben; in der Liquidität verlassen sie dein Konto aber zum Monatsende. Gewinn und Liquidität nicht zu verwechseln, ist eine der wichtigsten Disziplinen für Amazon-Verkäufer.

Amazons echte Finanzdaten sind ereignisbasiert: Schätzung ≠ Auszahlung

Alles bis hierher ist die Schätzung, die du vor dem Verkauf machst — und die für die Preisentscheidung unverzichtbar ist. Die tatsächliche Finanzseite von Amazon arbeitet aber ereignisbasiert: Gebühr, FBA-Fulfillment und eventuelle Retouren-/Erstattungsabzüge landen als Ereignisse nach der Bestellung einzeln in der Auszahlungsübersicht (Settlement). Der Satz im Konto baut also die Schätzung, aber was wirklich abgezogen wurde, sagen dir nur die Zeilen im Settlement-Bericht.

Dieser Unterschied ist nicht trivial: Bei einer Retoure kommt die Gebühr in den meisten Fällen zurück, die FBA-Fulfillment-Gebühr und die Retourenkosten aber möglicherweise nicht; Aktionen, Coupons oder Werbeposten erscheinen unabhängig von der Gebühr als eigene Zeilen. Deshalb musst du deinen echten Nettogewinn gegen die tatsächlichen Zeilen der Auszahlungsübersicht schließen, nicht gegen die Schätzung.

Vier Regeln für die richtige Nettogewinn-Berechnung

Die Sätze zu kennen reicht nicht; du musst sie richtig in die Rechnung stellen. Vier Regeln:

  1. Baue die Basis netto: Berechne Gebühr und Gewinn beide vom Nettobetrag. Vom Bruttopreis auszugehen, zerlegt die Rechnung bei unterschiedlichen Steuersätzen (1 %, 10 %, 20 %).
  2. Vergiss die Umsatzsteuer auf die Gebühr nicht: Bei Amazon kommen 20 % Umsatzsteuer auf die Gebühr; die echten Kosten sind Satz × 1,20. Du kannst diese Steuer als Vorsteuer abziehen, aber am Auszahlungstag fließt sie als Bargeld ab.
  3. Wähle das Versandmodell pro Produkt: Vergleiche die feste Fulfillment-Gebühr plus monatliche Lagergebühr von FBA gegen die eigenen Versandkosten bei MFN für denselben Artikel. Bei einem günstigen Artikel kann die Fixgebühr größer sein als die Verkaufsgebühr.
  4. Verteile Quellensteuer und Retouren: Die 1 % Quellensteuer und die Retourenquote deiner Kategorie nehmen sich einen Anteil am Gewinn jedes Verkaufs — auch wenn sie nicht als eigene Zeile auftauchen, wirken sie auf den Nettogewinn.

Statt diese vier Regeln bei jedem Produkt von Hand anzuwenden, gib Preis, Kosten, Kategorie und Versandmodell in den Amazon Gewinnrechner ein und lass Gebühr, Gebühren-Umsatzsteuer, FBA/Versand und Quellensteuer automatisch abziehen — inklusive Rückrechnung des Preises, den du für deine Zielmarge brauchst. Wenn du sehen willst, ob derselbe Artikel bei Amazon oder bei Trendyol/Hepsiburada/n11 profitabler ist, vergleicht der Marketplace-Gewinnvergleich alle auf einem Bildschirm.

Drei häufige Fragen

Kommt auf die Amazon-Gebühr noch Umsatzsteuer?

Ja. Bei Amazon Türkiye wird die Verkaufsgebühr auf den Nettobetrag angewendet, und auf den resultierenden Betrag kommen zusätzlich 20 % Umsatzsteuer. Die tatsächlich von deiner Auszahlung abgezogene Gebühr ist höher als das, was du erhältst, wenn du den Satz auf den Bruttopreis anwendest. Das ist der grundlegende Unterschied zum Trendyol-Modell.

Ist FBA oder eigener Versand profitabler?

Das hängt vom Produkt ab. Bei kleinen/leichten, schnell drehenden Artikeln ist die feste Fulfillment-Gebühr von FBA meist ein Vorteil; bei großen, schweren oder langsam drehenden Artikeln (wo Lagergebühren auflaufen) kann der eigene Versand günstiger sein. Für die Entscheidung rechne beides mit den echten Zahlen desselben Artikels durch, nicht nach allgemeiner Annahme.

Wo sehe ich meinen genauen Gebührensatz und meine Versandkosten?

In der Gebührenübersicht innerhalb von Amazon Seller Central (Kategoriesatz und FBA-Größenklasse) sowie in den tatsächlichen Zeilen deiner Verkaufsberichte / Settlement-Übersicht. Wenn Schätzung und Übersicht nicht zusammenpassen, steckt entweder ein Aktions-/Promotion-Posten dahinter oder ein Fehler — in beiden Fällen lohnt es sich, die Zeile zu hinterfragen.

Die Schätzung reicht nicht — verfolge den tatsächlichen Abzug

Amazon-Sätze werden von Periode zu Periode aktualisiert, FBA-Gebühren ändern sich nach Größenklasse, und den tatsächlichen Abzug siehst du erst in der Auszahlungsübersicht. Verimle liest, sobald du deine Verkäufe verfolgst, die echten Abzüge jeder Bestellung (Verkaufsgebühr, Gebühren-Umsatzsteuer, FBA/Versand, etwaige Werbung und Aktionen, Quellensteuer) aus der Übersicht, leitet daraus den Nettogewinn je Produkt ab und warnt dich, wenn ein Abzug größer ist als erwartet. Für einen Abzug, den es als unberechtigt einstuft, bereitet es einen Widerspruchsentwurf vor; es holt das Geld nicht automatisch zurück, zeigt aber mit Belegen, was zu viel abgezogen wurde und warum. Statt Posten für Posten auswendig zu lernen, was von einem 300-TL-Verkauf übrig blieb, überlass die Nachverfolgung dem System.

Wichtiger Hinweis: Alle Beträge hier sind Beispiele. Die Verkaufsgebühr (Referral Fee) von Amazon, die FBA-Fulfillment- und Lagergebühren sowie Versandabzüge hängen von Kategorie, Produktgröße und dem gewählten Programm (FBA/MFN) ab; die Rechnung in diesem Artikel ist ein Modell und ersetzt weder Amazons aktuelle offizielle Gebührenübersicht noch die für dein Konto geltenden Konditionen. Prüfe die exakten Sätze und Versandgebühren, die für dich gelten, immer im Amazon Seller Central — dort sieht der Verkäufer die vollständigen Gebühren seines eigenen Kontos; die aktuelle kategoriebezogene Gebühren- und FBA-Übersicht findest du auf Amazons offizieller Preisseite. Um den Nettogewinn mit den echten Zahlen deines eigenen Produkts zu testen, nutze den Amazon Gewinnrechner.

Hör auf zu lesen — lass Verimle für dich mitverfolgen

Echter Nettogewinn, Abrechnungsabgleich, Buybox-Überwachung und Erkennung unberechtigter Abzüge — alles automatisch, in einem Dashboard.

Amazon Nettogewinn berechnen 2026