Break-even-Point berechnen: Gewinnschwelle im E-Commerce (mit Beispiel)
Was der Break-even-Point ist und wie du ihn im E-Commerce berechnest: Fixkosten und variable Kosten trennen, Stückdeckungsbeitrag ermitteln, Break-even-Menge und Break-even-Umsatz bestimmen, die Marktplatzprovision richtig einordnen — und was gilt, wenn der Deckungsbeitrag negativ ist.
10 Min. LesezeitVerimle Redaktion
Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem ein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust macht — an dem der Gesamtumsatz die Gesamtkosten genau deckt. Im deutschen Rechnungswesen heißt er auch Gewinnschwelle. Im E-Commerce drücken wir ihn auf zwei Arten aus: wie viele Stück du verkaufen musst, um deine Fixkosten zu decken (die Break-even-Menge), und welcher Umsatz dem entspricht (der Break-even-Umsatz). In diesem Artikel bauen wir das Konzept von Grund auf: Wir trennen Fixkosten von variablen Kosten, leiten den Stückdeckungsbeitrag her, ordnen die Marktplatzprovision an der richtigen Stelle ein und rechnen mit konkreten Zahlen — vom einzelnen Produkt bis zum gesamten Shop.
Was ist der Break-even-Point?
Der Break-even-Point ist die Schwelle, an der die Erlöse die Kosten vollständig decken und der Gewinn null ist. Darunter machst du Verlust, darüber beginnt der Gewinn. Man nennt ihn Schwelle, weil sich die Lage auf beiden Seiten umkehrt — es ist nicht die Linie, an der der Gewinn eines einzelnen Produkts das Vorzeichen wechselt, sondern die Linie, an der die Summe des gesamten Geschäfts auf null aufgeht.
Der entscheidende Punkt: Der Break-even wird nicht allein von den Produktkosten bestimmt, sondern vom Zusammenspiel zweier verschiedener Kostenarten. Ohne diese Unterscheidung ist keine korrekte Break-even-Rechnung möglich.
Der Unterschied zwischen Fixkosten und variablen Kosten
Fixkosten fallen jeden Monat (oder jede Periode) an, unabhängig davon, wie viele Stück du verkaufst. Du zahlst sie auch bei null Verkäufen, und bei tausend Stück bleiben sie weitgehend gleich. Typische Fixkosten im E-Commerce:
- Honorar für Steuerberater bzw. Buchhaltung
- Lager- oder Büromiete
- Feste Personalkosten
- Software- und Panel-Abos (Integration, Gewinnkontrolle, Design-Tools)
- Fest zugesagtes Werbebudget (sofern es nicht pro Stück schwankt)
Variable Kosten entstehen dagegen mit jedem verkauften Stück — sie hängen an der Menge. Verkaufst du eines mehr, kommt eine weitere Einheit dazu; verkaufst du nichts, entstehen sie gar nicht. Typische variable Kosten im E-Commerce:
- Wareneinsatz bzw. Herstellkosten des Produkts
- Marktplatzprovision (ein Prozentsatz des Verkaufsbetrags)
- Versandkosten
- Verpackungsmaterial
- Transaktions- und Zahlungsgebühren sowie etwaige Servicegebühren
- Der Stückanteil deiner durchschnittlichen Retourenkosten
Kurze Regel: Fixkosten entstehen mit der Zeit, unabhängig von der Menge (Miete, Buchhaltung). Variable Kosten entstehen mit dem Verkauf und wiederholen sich bei jedem Stück (Ware, Provision, Versand). Wenn du nicht entscheiden kannst, in welchen Topf eine Kostenposition gehört, frage dich: „Würde diese Position auch anfallen, wenn ich heute nichts verkaufe?“ Lautet die Antwort ja, ist sie fix; lautet sie nein, ist sie variabel.
Stückdeckungsbeitrag: der Motor des Break-even
Der Schlüsselbegriff, der den Break-even auflöst, ist der Stückdeckungsbeitrag. Er ist das, was übrig bleibt, wenn du von dem Verkaufspreis eines Produkts dessen variable Kosten abziehst:
Stückdeckungsbeitrag = Verkaufspreis − variable Stückkosten
Der Name „Deckungsbeitrag“ ist präzise: Nachdem ein verkauftes Stück seine eigenen variablen Kosten gedeckt hat, trägt der Rest zur Deckung der Fixkosten bei. Sind die Fixkosten einmal vollständig gedeckt, wird jeder weitere Deckungsbeitrag unmittelbar zu Gewinn. Der Break-even beantwortet also die Frage: „Ab wann deckt der Deckungsbeitrag aller verkauften Stück die gesamten Fixkosten?“
Die variablen Kosten eines Produkts Schritt für Schritt herleiten
Angenommen, du verkaufst ein Produkt auf einem Marktplatz für 200 TL. Zählen wir die variablen Kostenpositionen einzeln zusammen:
- Wareneinsatz (Einkauf): 90 TL
- Marktplatzprovision (15 % → 200 × 0,15): 30 TL
- Versand: 35 TL
- Verpackung: 5 TL
Variable Stückkosten insgesamt: 90 + 30 + 35 + 5 = 160 TL. Der Stückdeckungsbeitrag beträgt damit: 200 − 160 = 40 TL. Jedes verkaufte Stück dieses Produkts trägt also 40 TL zur Deckung deiner Fixkosten bei. Die variablen Kosten korrekt zu summieren ist der empfindlichste Schritt der Break-even-Rechnung; um die Positionen je Produkt aufzuschlüsseln, kannst du den Produktkosten-Rechner nutzen.
Warum ist die Marktplatzprovision eine variable Kostenposition?
Der Punkt, den neue Verkäufer am häufigsten übersehen: Die Provision ist nicht fix, sie ist eine variable Kostenposition. Denn sie wird als Prozentsatz des Verkaufsbetrags einbehalten — verkaufst du ein Stück mehr, zahlst du die Provision ein weiteres Mal. Deshalb gehört die Provision in den Stückdeckungsbeitrag und nicht auf die Fixkostenseite der Break-even-Formel.
Eine weitere Feinheit — sie gilt für die Türkei: Auf den meisten türkischen Marktplätzen kommen auf die Provision zusätzlich 20 % Umsatzsteuer (türkisch KDV) obendrauf; Trendyol ist hier die Ausnahme und berechnet die Provision aus dem Bruttopreis, ohne weitere Umsatzsteuer aufzuschlagen. Wenn auf deine Provision Umsatzsteuer aufgeschlagen wird, musst du als variable Kosten nicht 30 TL, sondern 30 × 1,20 = 36 TL ansetzen — das senkt den Deckungsbeitrag und hebt die Break-even-Menge. Ob bei deinem Marktplatz und in deinem Land brutto oder netto abgerechnet wird, entnimmst du der Abrechnung deines eigenen Marktplatzes — rechne hier nicht mit fremden Sätzen. Wie sich die Provision insgesamt auf den Gewinn auswirkt, zeigt dir der Gewinnmargen-Rechner.
Wie berechnet man die Break-even-Menge?
Steht der Deckungsbeitrag, folgt die Break-even-Menge aus einer einzigen Division:
Break-even-Menge = gesamte Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag
Die Logik ist einfach: Jedes Produkt stützt die Fixkosten in Höhe seines Deckungsbeitrags; teilst du die gesamten Fixkosten durch diesen Beitrag, erhältst du die Stückzahl, bei der die Fixkosten vollständig gedeckt sind. Alles darüber ist Gewinn.
Konkretes Beispiel: monatlicher Break-even
Für das Produkt oben haben wir einen Stückdeckungsbeitrag von 40 TL ermittelt. Angenommen, deine monatlichen Fixkosten sehen so aus:
- Steuerberater: 2.000 TL
- Panel- und Software-Abos: 1.000 TL
- Lagermiete und sonstige Fixkosten: 5.000 TL
Gesamte Fixkosten: 8.000 TL. Break-even-Menge: 8.000 ÷ 40 = 200 Stück. Verkaufst du also 200 Stück dieses Produkts im Monat, machst du weder Gewinn noch Verlust; deine Fixkosten sind genau gedeckt. Ab dem 201. Stück bleiben dir je Verkauf 40 TL Nettobeitrag.
Den Break-even-Umsatz findest du auf zwei Wegen. Direkt: 200 Stück × 200 TL = 40.000 TL. Oder per Formel:
Break-even-Umsatz = gesamte Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote
Dabei ist die Deckungsbeitragsquote = Stückdeckungsbeitrag ÷ Verkaufspreis = 40 ÷ 200 = 20 %. Daraus: 8.000 ÷ 0,20 = 40.000 TL. Beide Wege liefern dasselbe Ergebnis. Die Deckungsbeitragsquote hilft besonders in Shops mit vielen Produkten zu unterschiedlichen Preisen, weil du den Break-even-Umsatz dann über eine durchschnittliche Deckungsbeitragsquote statt Stück für Stück berechnest.
Statt diese Divisionen immer wieder von Hand zu machen, gib deine Fixkosten, den Verkaufspreis und die variablen Stückkosten in den Break-even-Rechner ein: Er liefert Break-even-Menge und Break-even-Umsatz sofort — dazu Szenarien nach dem Muster „verkaufe ich so viele Stück, verdiene ich so viel“.
Break-even im Shop mit mehreren Produkten
Wenn du nicht nur ein Produkt verkaufst, baust du den Break-even nicht Produkt für Produkt auf, sondern über eine gewichtete durchschnittliche Deckungsbeitragsquote. Die Schritte:
- Ermittle für jedes Produkt die Deckungsbeitragsquote (Stückdeckungsbeitrag ÷ Preis).
- Bilde die gewichtete Durchschnittsquote nach dem Umsatzanteil der einzelnen Produkte.
- Teile die gesamten Fixkosten durch diese Durchschnittsquote → Break-even-Umsatz des gesamten Shops.
Beispiel: Produkt A macht 70 % meines Umsatzes aus und hat eine Deckungsbeitragsquote von 20 %; Produkt B macht 30 % aus und hat 30 %. Gewichteter Durchschnitt: (0,70 × 20 %) + (0,30 × 30 %) = 14 % + 9 % = 23 %. Bei monatlichen Fixkosten von 8.000 TL beträgt der Break-even-Umsatz: 8.000 ÷ 0,23 ≈ 34.783 TL. Verschiebt sich dein Produktmix — steigt also der Anteil des Produkts mit dem geringeren Deckungsbeitrag —, sinkt die Durchschnittsquote und dein Break-even-Umsatz steigt. Denke den Break-even deshalb nicht als feste Zahl, sondern als Ziel, das auf deinen Verkaufsmix reagiert. Wohin sich das Ziel bei verändertem Mix verschiebt, testest du schnell mit dem Break-even-Rechner.
Wofür hilft der Break-even bei Produkt- und Aktionsentscheidungen?
Der Break-even ist nicht nur die Antwort auf „mache ich Verlust?“; er ist ein Entscheidungswerkzeug. In zwei typischen Situationen hilft er unmittelbar.
Launch eines neuen Produkts
Wenn du ein neues Produkt in den Katalog nimmst, lautet die Frage nicht „ist die Marge gut?“. Die richtige Frage ist: „Erreiche ich die Menge, die den Fixkostenanteil dieses Produkts deckt?“ Bedeutet ein Produkt mit 40 TL Deckungsbeitrag 200 Stück pro Monat bis zum Break-even, deine realistische Absatzschätzung in dieser Kategorie liegt aber bei 80 Stück im Monat, dann kann dieses Produkt seine Fixkosten allein nicht decken. Du musst entweder über Preis oder Kosten den Deckungsbeitrag erhöhen, deine Mengenerwartung überprüfen oder es gemeinsam mit anderen Produkten bewerten, die die Fixkostenlast mittragen.
Aktions- und Rabattentscheidungen
Ein Rabatt senkt den Preis und schrumpft damit direkt den Deckungsbeitrag, was die Break-even-Menge nach oben treibt. 10 % Rabatt auf das 200-TL-Produkt ziehen den Preis auf 180 TL. Da auch die Provision ein Prozentsatz des Verkaufsbetrags ist, sinkt sie auf 180 × 15 % = 27 TL; Ware, Versand und Verpackung (90 + 35 + 5 = 130 TL) bleiben aber gleich. Neue variable Kosten: 130 + 27 = 157 TL. Neuer Deckungsbeitrag: 180 − 157 = 23 TL. Neue Break-even-Menge: 8.000 ÷ 23 ≈ 348 Stück. Ganze 10 % Rabatt haben das Break-even-Ziel also von 200 auf rund 348 Stück gehoben — ein Sprung von 74 %. Die Rabattentscheidung solltest du nicht nach dem Gefühl „der Absatz steigt schon“ treffen, sondern danach, ob du dieses Zusatzvolumen wirklich schaffst. Um Aktionsszenarien durchzuspielen, siehst du mit dem Rabattaktions-Rechner vorab, wie der reduzierte Preis auf Deckungsbeitrag und Break-even wirkt.
Was gilt, wenn der Deckungsbeitrag null oder negativ ist?
Die wichtigste Warnung: Ist der Stückdeckungsbeitrag null oder kleiner als null, gibt es keinen Break-even-Point — die Mathematik bricht zusammen. Denn in „Break-even-Menge = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag“ geht das Ergebnis gegen unendlich, wenn sich der Nenner der Null nähert, und wird sinnlos, sobald er negativ wird.
Die praktische Bedeutung ist eindeutig: Wenn jedes verkaufte Produkt nicht einmal seine eigenen variablen Kosten deckt (Preis < variable Kosten), gilt: je mehr du verkaufst, desto mehr verlierst du. Menge rettet dich nicht, sie zieht dich unter Wasser. Hättest du den Preis im Beispiel mit einer Aktion auf 150 TL gesenkt, läge der Deckungsbeitrag bei variablen Kosten von 160 TL (mit umsatzsteuerpflichtiger Provision sogar mehr) bei −10 TL; jeder Verkauf würde dich 10 TL kosten. In so einem Fall gehst du der Reihe nach vor:
- Preis erhöhen oder Rabatt zurücknehmen (den Deckungsbeitrag ins Plus holen).
- Variable Kosten senken (günstigerer Versand, besserer Einkauf, Kanal mit niedrigeren Gebühren).
- Wenn nichts davon geht, das Produkt nicht mehr verkaufen — denn mit der Menge wächst der Verlust.
Prüfe deshalb, bevor du auf den Break-even schaust, immer zuerst, ob der Deckungsbeitrag positiv ist. Ist er es nicht, hat die Berechnung einer Break-even-Menge überhaupt keinen Sinn.
Drei Erinnerungen für den richtigen Umgang mit dem Break-even
- In den richtigen Topf legen: Provision, Versand und Wareneinsatz sind variabel → sie gehen in den Deckungsbeitrag. Miete, Buchhaltung und Abos sind fix → sie sind der Zähler der Break-even-Division. Vermischst du beides, ist das Ergebnis falsch.
- Die Umsatzsteuer auf die Provision nicht vergessen: Wird auf die Provision Umsatzsteuer aufgeschlagen, setze die variablen Kosten entsprechend an; sonst siehst du den Deckungsbeitrag zu hoch und den Break-even zu niedrig.
- Der Break-even ist ein Ziel, keine Garantie: Die Stückzahl sagt dir, wie viel du verkaufen musst; sie sagt dir nicht, dass du diese Menge erreichst. Bewerte das bei Launch- und Aktionsentscheidungen getrennt.
Den Break-even nicht auswendig lernen — vom System nachhalten lassen
Der Break-even-Point ist die grundlegendste Rechnung, die im E-Commerce die Grenze zwischen Gewinn und Verlust zeigt: fix von variabel trennen, den Stückdeckungsbeitrag herleiten, die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag teilen. In der Praxis bewegen sich die variablen Kosten aber bei jeder Bestellung — die Provision ändert sich, der Versand verschiebt sich mit dem Volumengewicht (in der Türkei „desi“), und die Retourenquote frisst den Deckungsbeitrag leise auf. Verimle liest, sobald du deine Verkäufe verfolgst, die tatsächlichen Abzüge jeder Bestellung aus der Abrechnung und leitet Deckungsbeitrag und Nettogewinn je Produkt her; so hältst du deinen Break-even mit echten Zahlen aktuell statt mit Schätzungen. Statt die Formel jeden Monat von Hand nachzurechnen, lässt du dir vom System zeigen, welches Produkt seine Fixkosten deckt und welches unter dem Break-even bleibt.
Ein Hinweis: Die Break-even-Beispiele hier (200 TL Preis, 15 % Provision, 8.000 TL Fixkosten) sind lediglich illustrativ und stammen aus dem türkischen Marktumfeld; dein eigener Break-even-Point verändert sich mit deinen eigenen Kosten-, Provisions- und Abzugszahlen. Um mit deinen echten Zahlen zu rechnen, nutze den Break-even-Rechner.