Amazon FBA-Erstattungen 2026: Beschaffungskosten statt Verkaufspreis — Fristen, Grenzen, Prüfschritte
Seit dem 31. März 2025 erstattet Amazon vor der Bestellung verlorene oder beschädigte FBA-Ware zum Beschaffungspreis statt zum Verkaufspreis. Welche Anspruchsart auf welcher Basis vergütet wird, welche Fristen in Deutschland gelten (60 / 45–105 / 15–75 Tage), wo die Obergrenze von 2.000 € greift und wann gar nichts gezahlt wird.
13 Min. LesezeitVerimle Redaktion
Wenn im Amazon-Lager ein Karton verschwindet oder Ware beschädigt wird, bevor überhaupt eine Bestellung eingeht, hat sich 2025 geändert, worauf Amazon die Erstattung berechnet. Früher fragte Amazon sinngemäß: „Für wie viel hast du diesen Artikel verkauft?“ und zahlte auf Basis eines geschätzten Verkaufserlöses. Heute zahlt Amazon auf Basis dessen, was dich der Artikel im Einkauf gekostet hat. Bei identischem Vorfall landet dadurch ein deutlich anderer Betrag auf deinem Konto — und die meisten Verkäufer merken das erst beim ersten echten Verlust. Dieser Artikel geht die Änderung Posten für Posten durch: welche Anspruchsart auf welcher Basis vergütet wird, welche Fristen in Deutschland gelten und wann Amazon gar nicht zahlt. Grundlage ist Amazons eigener Richtlinientext.
Was sich geändert hat: geschätzter Verkaufserlös raus, Beschaffungskosten rein
In der Fassung mit Änderungsverfolgung („redlined“) der FBA-Erstattungsrichtlinie steht die alte Regel noch durchgestrichen im Dokument: Amazon verglich mehrere Preisindikatoren, bildete daraus einen geschätzten Verkaufspreis und zog davon Verkaufsgebühr (Referral Fee) und Versandgebühren ab — der geschätzte Erlös. Dieser Absatz wurde gestrichen. Die neue Regel lautet:
Bei Verlust oder Beschädigung vor der Bestellung — also bei Ansprüchen aus der Anlieferung an Amazon, aus Entnahmen (Removals) und aus dem Betrieb der Logistikzentren — erstattet Amazon die Beschaffungskosten des Artikels („sourcing cost“).
Amazon definiert die Beschaffungskosten als deine Kosten, das Produkt von einem Hersteller, Großhändler oder Wiederverkäufer zu beziehen — oder es herzustellen, wenn du selbst der Hersteller bist. Der Richtlinientext sagt außerdem ausdrücklich, was nicht dazugehört: Fracht, Handling, Zölle und ähnliche Kosten. Bei importierter Ware bleiben Seefracht und Einfuhrabgaben also bei dir; erstattet wird nur der Warenwert auf der Rechnung.
Eine weitere Nuance: War der Artikel zum Zeitpunkt von Verlust, Beschädigung oder Entnahme nicht verkaufsfähig („unsellable“), erstattet Amazon laut Richtlinie zu reduzierten geschätzten Stückkosten — also noch unterhalb der Beschaffungskosten.
Herstellkosten oder Beschaffungskosten? Der Begriff ist wichtiger, als er klingt
In der Ankündigung vom Dezember 2024 war von „manufacturing cost“ — Herstellkosten — die Rede, und genau dieser Begriff hat sich in vielen deutschsprachigen Texten festgesetzt: „Rückerstattung zu Herstellkosten“. Der Richtlinientext, der tatsächlich in Kraft getreten ist, spricht aber von „sourcing cost“, also von Beschaffungskosten beziehungsweise Einkaufskosten.
Der Unterschied ist praktisch relevant. „Herstellkosten“ klingt so, als beträfe die Regel nur Eigenmarken und Produzenten. Tatsächlich gilt sie genauso für den Händler, der seine Ware bei einem Großhändler oder Wiederverkäufer einkauft — für ihn zählt der Einkaufspreis. Wenn du also nach „Rückerstattung Herstellkosten“ suchst und dich fragst, ob dich das als reiner Wiederverkäufer betrifft: ja, es betrifft dich.
Stichtag: 31. März 2025 — nicht der 10. März
Die Änderung wurde im Dezember 2024 angekündigt, zunächst mit Wirkung zum 10. März 2025. Amazon hat den Termin anschließend auf den 31. März 2025 verschoben, mit der Begründung, Verkäufern über die Seite „Manage Your Sourcing Cost“ mehr Zeit für die Pflege ihrer Kosten zu geben. Der Richtlinientext bestätigt das Enddatum: „Nach dem 31. März 2025 aktualisieren wir unsere Kostenschätzungen regelmäßig.“
Ein großer Teil der deutschsprachigen Fachpresse nennt bis heute den 10. März, weil die Beiträge vor der Verschiebung erschienen und nicht nachgezogen wurden. Wer auf ein Datum hin plant, sollte den Amazon-Text heranziehen.
Welche Anspruchsart wird wonach erstattet?
Der häufigste Irrtum: Die Änderung betreffe nur „im Lager verlorene Ware“. Die Richtlinie ist breiter gefasst:
- Verlust bei der Anlieferung an Amazon (shipment to Amazon) → Beschaffungskosten
- Betrieb des Logistikzentrums (Verlust/Beschädigung im Lager, vor einer Bestellung) → Beschaffungskosten
- Entnahmen / Removals (Verlust oder Beschädigung beim Zurückholen der Ware) → Beschaffungskosten
- Verlust oder Beschädigung bei der Bestandsauffüllung, durchgeführt von Amazon oder in dessen Auftrag → Beschaffungskosten
- Ansprüche aus Kundenrücksendungen (nach der Bestellung) → Verkaufspreis abzüglich anfallender Gebühren und Umsatzsteuer
Die entscheidende Trennlinie ist also vor beziehungsweise nach der Bestellung. Alles, was nach der Kundenbestellung schiefgeht, wird weiterhin auf Basis des Verkaufspreises bewertet.
Rechenbeispiel: derselbe Vorfall, zwei Bemessungsgrundlagen
Alle folgenden Zahlen sind ein Beispiel — sie ändern sich mit deinen echten Produktkosten, deinen echten Gebührensätzen und deinen Daten im Amazon Seller Central. Es geht um den Mechanismus, nicht um die Beträge.
Annahmen:
- Einkaufspreis beim Großhändler (Warenwert auf der Rechnung): 12,00 €
- Fracht + Zoll + Handling bis ins Lager: 3,00 € (angenommen)
- Dein Verkaufspreis bei Amazon: 39,90 €
- Angenommene Verkaufsgebühr 15 % (≈ 5,99 €) und Versandgebühr ≈ 3,50 €
Alte Regel (vor dem 31. März 2025): geschätzter Verkaufspreis abzüglich Verkaufs- und Versandgebühren → 39,90 − 5,99 − 3,50 ≈ 30,41 €.
Neue Regel: Beschaffungskosten → 12,00 €. Die 3,00 € für Fracht und Zoll sind laut Definition nicht enthalten.
Die Differenz je Stück beträgt in diesem Beispiel rund 18 €. Geht ein Karton mit 20 Einheiten auf dem Transportweg verloren, summiert sich das auf etwa 360 €. Es wird dabei nichts von der Erstattung „abgezogen“ — die Erstattung fällt von vornherein niedriger aus, und die Differenz trägt der Verkäufer.
Die Konsequenz für die Kalkulation: Das FBA-Verlustrisiko schreibst du künftig gegen die Kosten ab, nicht gegen die Marge. Wer seine echten Stückkosten nicht kennt, kann dieses Risiko gar nicht beziffern — der Produktkosten-Rechner (COGS) trennt Einkaufspreis, Fracht, Zoll und Verpackung sauber voneinander.
Die Fristen in Deutschland: 60 / 45–105 / 15–75 Tage
„60 Tage“ kursiert, als wäre es eine einzige Zahl. Tatsächlich gibt es drei verschiedene Fenster, je nach Anspruchsart. Aus der Ankündigung von Amazon für Deutschland und die EU (wirksam seit dem 9. Januar 2025):
- Logistikzentrum, Verlust oder Beschädigung: spätestens 60 Tage, nachdem der Artikel als verloren oder beschädigt gemeldet wurde
- Kundenrücksendungen: 45–105 Tage nach der Rücksendung beziehungsweise dem Ersatz — vor Tag 45 kann kein Antrag gestellt werden
- Removal, auf dem Transportweg verloren: 15–75 Tage ab dem Datum der Sendungserstellung
- Sonstige Removal-Ansprüche: 60 Tage, nachdem die Sendung bei dir zugestellt wurde
- Einspruch gegen die Bewertung (wenn der Betrag zu niedrig ausfiel): 60 Tage nach der Erstattung
Vorher lag das Fenster bei den meisten Anspruchsarten bei 18 Monaten. Die Verkürzung trat in den USA am 23. Oktober 2024 und in der EU sowie in Großbritannien am 9. Januar 2025 in Kraft. Einzelne Drittanbieter-Seiten schreiben, das Fenster sei zwischenzeitlich wieder auf 18 Monate verlängert worden — das widerspricht den eigenen Ankündigungen von Amazon.
Ansprüche aus der Anlieferung an Amazon wurden von dieser Verkürzung ausdrücklich ausgenommen; das steht so in der Ankündigung. Welche Frist für diese Anspruchsart konkret gilt, prüfst du am besten im aktuellen Richtlinientext in deinem eigenen Seller Central — die im Netz kursierenden Zahlen widersprechen sich.
Achtung, häufige Verwechslung: Das Fenster für Kundenrücksendungen beträgt in den USA 60–120 Tage, in Deutschland, der EU und Großbritannien aber 45–105 Tage. Übernimm keine Zahl aus US-Ratgebern in dein europäisches Konto.
Wann Amazon gar nicht erstattet
Laut Richtlinientext müssen für die Anspruchsberechtigung alle folgenden Bedingungen erfüllt sein:
- Der Artikel muss zum Zeitpunkt von Verlust oder Beschädigung bei FBA angemeldet sein
- Er muss den FBA-Produktbeschränkungen und den FBA-Bestandsanforderungen entsprechen
- Du musst genau das Produkt und genau die Menge versandt haben, die im Versandplan angemeldet wurden
- Der Artikel darf nicht zur Entsorgung anstehen und nicht auf deine Anweisung oder durch Ausübung eines Amazon-Rechts entsorgt worden sein
- Der Artikel darf nicht defekt und nicht durch den Kunden beschädigt worden sein
- Dein Verkäuferkonto muss sich bei Antragstellung im normalen Status befinden
Der deutsche Richtlinientext enthält zusätzlich eine Ausnahme, die speziell Kundenrücksendungen betrifft: Kommt die Rücksendung mit beschädigtem Karton oder beschädigter Verpackung, fehlendem Werkssiegel, fehlender Verpackung, mit Klebeband oder einem Versandetikett direkt auf dem Karton oder in einem anderen Karton zurück, erstattet Amazon nicht.
Und eine ausgezahlte Erstattung ist nicht endgültig: Die Richtlinie behält sich ausdrücklich vor, die Gutschrift zurückzubuchen, wenn die Erstattung irrtümlich erfolgte oder der Artikel später gefunden und deinem Bestand wieder zugeführt wird. Hake eine Erstattung also nicht sofort ab, sondern behalte die folgenden Abrechnungen im Blick.
„Manage Your Sourcing Cost“: melde deine Kosten, sonst schätzt Amazon
Das ist die praktisch folgenreichste Konsequenz der neuen Regel: Meldest du deine Beschaffungskosten nicht, verwendet Amazon seine eigene Kostenschätzung — abgeleitet aus den Kosten vergleichbarer Produkte (eigene Artikel von Amazon, Artikel anderer Verkäufer und Großhandelskanäle). Deine eigenen Kosten pflegst du auf der Seite „Manage Your Sourcing Cost“ im Portal Inventory Defect & Reimbursement (IDR). Nach dem 31. März 2025 aktualisiert Amazon seine Schätzungen regelmäßig; betroffene Artikel erkennst du an der Statusspalte auf derselben Seite.
Die gemeldeten Kosten können abgelehnt werden. Die im Richtlinientext dokumentierten Ablehnungsgründe:
- Der Wert ist im Vergleich zu ähnlichen Produkten oder zur Amazon-Schätzung ein Ausreißer
- Das eingereichte Dokument ist gefälscht, verändert oder unleserlich
- Beim Konto besteht Verdacht auf Betrug, einen schwerwiegenden Richtlinienverstoß oder nicht regelkonformen Verkauf
- Für denselben Artikel wurde in den letzten 30 Tagen bereits über eine Kostenaktualisierung oder einen Betragseinspruch entschieden und es wurden keine neuen Informationen vorgelegt
Bei Ablehnung wird auf Basis eines zuvor genehmigten Betrags oder der Amazon-Schätzung erstattet. Die vollständige Liste akzeptierter Nachweistypen steht auf einer Amazon-Hilfeseite, die eine Anmeldung verlangt — öffne sie aus deinem eigenen Konto heraus und richte dich nach der dort angezeigten Liste, bevor du ein Dokument hochlädst.
Obergrenze je Einheit: 2.000 € in Deutschland
Die Richtlinie legt die maximale Erstattung für eine einzelne Einheit eines FBA-fähigen Artikels in Deutschland auf 2.000 € fest (Großbritannien 2.000 £, Kanada 5.000 CAD). Für alles darüber verweist Amazon auf eine Versicherung bei Dritten. Die in US-Texten genannten 5.000 $ gelten für Deutschland nicht.
Für Verkäufer mit hochpreisigen Einzelartikeln ist das eine reale Risikogrenze: Bei einer Einheit oberhalb von 2.000 € bleibt die Differenz im Verlustfall bei dir. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen eine Warenversicherung rechnerisch überhaupt zur Debatte steht.
Automatische Erstattungen — und was trotzdem manuell bleibt
In Deutschland und der EU erstattet Amazon seit dem 15. Januar 2025 FBA-Artikel, die im Logistikzentrum verloren gegangen sind, proaktiv (in den USA seit dem 1. November 2024). Die britische Ankündigung ist weiter gefasst und nennt zusätzlich Beschädigungen und Kundenrücksendungen. Der genaue Umfang der Automatisierung ist also nicht einmal zwischen den Amazon-Ankündigungen einheitlich.
Sicher ist nur eines: Removal-Ansprüche müssen weiterhin manuell eingereicht werden. Der Satz „läuft jetzt alles automatisch, ich muss nichts mehr nachhalten“ kostet daher direkt Geld. Die belastbare Lesart: Im Lager verlorene Ware wird automatisch erstattet, Removals sind manuell, und für alles Übrige laufen die oben genannten Fenster von 60 / 45–105 / 15–75 Tagen — ist ein Fenster zu, ist der Anspruch weg.
Eigener Fall: FBA-Gebühren durch falsche Maße oder Gewichte
Unabhängig von Verlust und Beschädigung gibt es eine zweite Art unberechtigter Abzüge mit eigener Richtlinie: zu hoch berechnete FBA-Versandgebühren, weil Maße oder Gewicht deines Produkts auf Amazon-Seite falsch erfasst wurden. Nach dem englischsprachigen Hilfetext von Amazon muss ein Antrag dafür innerhalb von 90 Tagen ab dem Datum der Gebührenbelastung gestellt werden. Derselbe Text hält fest, dass bei Abweichungen zwischen deinen Angaben und der von Amazon verifizierten Messung die Messung von Amazon maßgeblich ist, und dass eine erneute Vermessung nicht akzeptiert wird, wenn der Artikel in den letzten 60 Tagen bereits zweimal neu vermessen wurde.
Hinweis zur Belastbarkeit: Diese 90-Tage-Frist ist auf der US-Hilfeseite von Amazon belegt. Dass exakt dieselbe Frist auch für Amazon.de gilt, konnten wir aus einer deutschsprachigen Amazon-Primärquelle nicht bestätigen — die entsprechende Hilfeseite erfordert eine Anmeldung. Wenn du einen Einspruch wegen Maßen oder Gewicht einlegst, prüfe die Frist im aktuellen Hilfetext in deinem eigenen Seller Central.
Ob deine hinterlegten Maße überhaupt plausibel sind, kannst du auf deiner Seite gegenrechnen: Der Volumengewicht-Rechner und der Amazon FBA Rechner zeigen, wie deine Angaben mit der Gebührenstufe zusammenhängen.
Stand 2026: Die Regel gilt weiter, die Gebühren sind leicht gesunken
Für 2026 gibt es keine Amazon-Ankündigung, die das Beschaffungskosten-Modell zurücknehmen würde; aktuelle Diskussionen in den Verkäuferforen zeigen, dass es angewendet wird. Getrennt davon — und auf der positiven Seite — hat Amazon für Europa eine Gebührensenkung für 2026 angekündigt: im Schnitt 0,17 € weniger je Einheit, wobei die Änderungen bei Bekleidung und den FBA-Paketgebühren zum 15. Dezember 2025 und die übrigen zum 5. Januar 2026 wirksam wurden. Bei den FBA-Paketgebühren nennt Amazon eine durchschnittliche Senkung von 0,32 €.
Beides gleicht sich nicht aus: Ein paar Cent auf der Gebührenseite schließen keine dreistellige Differenz in der Bemessungsgrundlage eines verlorenen Kartons. Führe die zwei Effekte in deiner Kalkulation als getrennte Zeilen.
So findest du unberechtigte Abzüge selbst
Ob der von Amazon gezahlte Betrag stimmt, sagt dir niemand — diese Prüfung liegt beim Verkäufer. Eine Routine, die sich in der Praxis führen lässt:
- Jede Erstattung gegen den eigenen Einkaufsbeleg prüfen. Liegt der gezahlte Betrag unter deinen tatsächlichen Beschaffungskosten, hast du den Weg über den Bewertungseinspruch: 60 Tage ab der Erstattung.
- Fristen in den Kalender legen. 60 / 45–105 / 15–75 Tage — ist das Fenster zu, verfällt der Anspruch unabhängig von der Höhe.
- Removal-Ansprüche manuell einreichen. Die Automatisierung deckt sie nicht ab.
- Beschaffungskosten aktuell halten. Ohne deine Meldung schätzt Amazon; hat sich dein Einkaufspreis geändert, aktualisiere den Eintrag.
- Rückbuchungen im Blick behalten. Wird die Ware später gefunden, kann die Gutschrift wieder eingezogen werden.
- Gebührendifferenzen aus Maßen und Gewicht getrennt verfolgen. Andere Richtlinie, andere Frist.
Die ersten fünf Punkte spielen sich im Seller Central ab, der sechste in deiner Gebührenabrechnung. Menüpunkte und Berichtsnamen ändern sich von Zeit zu Zeit; die Prüflogik bleibt gleich.
Häufige Fragen
Sind Fracht und Zoll in der Erstattung enthalten?
Nein. Amazons Definition beschränkt die Beschaffungskosten auf die Kosten, das Produkt von einem Hersteller, Großhändler oder Wiederverkäufer zu beziehen, und schließt Fracht, Handling, Zölle und ähnliche Kosten ausdrücklich aus.
Gilt die Regel auch für Kundenrücksendungen?
Nein. Bei Ansprüchen aus Kundenrücksendungen nach der Bestellung bleibt der Verkaufspreis die Grundlage — abzüglich anfallender Gebühren und Umsatzsteuer. Die Beschaffungskosten gelten für Ereignisse vor der Bestellung.
Betrifft mich das als reiner Wiederverkäufer, ohne eigene Herstellung?
Ja. Auch wenn viele Texte von „Herstellkosten“ sprechen: Der geltende Richtlinientext nennt „sourcing cost“ und bezieht den Bezug von Großhändlern und Wiederverkäufern ausdrücklich ein. Maßgeblich ist dann dein Einkaufspreis.
Kann ich gegen die Höhe der Erstattung vorgehen?
Ja — die Richtlinie sieht einen Bewertungseinspruch innerhalb von 60 Tagen nach der Erstattung vor. Damit er Aussicht auf Erfolg hat, muss der eingereichte Nachweis leserlich und in sich stimmig sein und im Vergleich zu ähnlichen Produkten plausibel wirken.
Die Erstattung reichst du ein — das Auffallen kann ein System übernehmen
Den Erstattungsantrag stellst du selbst im Amazon Seller Central; dafür gibt es keine Abkürzung. Der schwierige Teil ist aber selten das Einreichen, sondern das Bemerken: Bei welcher Bestellung wurde mehr abgezogen als erwartet, welche Erstattung lag unter deinen Kosten, welche Frist läuft in den nächsten Tagen ab? Verbindest du dein Amazon-Konto mit Verimle, werden die Finanzereignisse der SP-API ausgelesen: Das Gewinn-Röntgenbild ermittelt den echten Nettogewinn je Produkt, die Gebührenwarnung meldet sich, wenn die effektive Abzugsquote vom hinterlegten Wert abweicht, und Rückerstattungsereignisse sammelt die Retourenanalyse. So beantwortest du die Frage „lag diese Erstattung unter meinen Kosten?“ mit deinen eigenen Zahlen statt mit einem Gefühl.
Die Funktionen, die einen Einspruchsentwurf erzeugen — Einspruch gegen Abzüge und das Radar für verlorenes Geld — laufen derzeit nur für Trendyol-Konten; auf der Amazon-Seite gibt es keine Schnittstelle, die einen Einspruch einreicht. Verkaufst du zusätzlich über Trendyol, wendet das Prüfwerkzeug für Abzüge dort dieselbe Logik an.
Wichtiger Hinweis: Alle Beträge in diesem Artikel sind Beispiele und ersetzen weder den aktuellen offiziellen Richtlinientext von Amazon noch eine steuerliche oder rechtliche Beratung. Die Richtlinien unterscheiden sich je Marktplatz (Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com) und werden von Zeit zu Zeit aktualisiert. Prüfe die für dich geltenden Regeln und Fristen immer in deinem eigenen Amazon Seller Central. Primärquellen dieses Artikels: die FBA-Erstattungsrichtlinie (DE) mit Änderungsverfolgung, die Ankündigung im Amazon Seller Central Deutschland zu Fristen und Automatisierung, die Ankündigung zum neuen Stichtag 31. März 2025, der Hilfetext zu Gebührenerstattungen bei Maßen und Gewicht sowie die Mitteilung zu den europäischen Gebühren 2026. Um die FBA-Kostenposten mit deinem eigenen Produkt durchzurechnen, nutze den Amazon FBA Rechner; für die generelle Kostenstruktur von FBA siehe was FBA ist und was es kostet.