Amazon Türkiye Gebühren für Verkäufer: Referral Fee 2026
Amazon-Provision in der Türkei = Referral Fee. Ungefähre Sätze je Kategorie, die 20 % Umsatzsteuer obendrauf, die Mindestgebühr und der Unterschied zur FBA-Gebühr.
10 Min. LesezeitVerimle Redaktion
Was Verkäufer auf Amazon Türkiye „Provision“ nennen, heißt offiziell Referral Fee. Bei jedem Verkauf nimmt Amazon je nach Kategorie einen Prozentsatz vom Verkaufspreis — und schlägt auf diesen Prozentsatz zusätzlich 20 % Umsatzsteuer auf. Genau dieser USt.-Aufschlag ist der wichtigste Unterschied zu Trendyol und die Stelle, an der die Gewinnrechnung von Verkäufern am häufigsten kippt. Dieser Beitrag erklärt, wie die Referral Fee funktioniert, welche ungefähren Spannen je Kategorie gelten, wo die Mindestgebühr zur Falle wird und warum das mit der FBA-Gebühr nichts zu tun hat.
Wichtig vorab: Alle Sätze, Beträge und Steuerangaben in diesem Beitrag gelten für Amazon Türkiye — die 20 % sind die türkische Umsatzsteuer (KDV), die Beträge stehen in türkischer Lira. Verkaufst du auf amazon.de oder einem anderen Marktplatz, bleibt die Rechenlogik dieselbe, die Zahlen nicht: Kategoriesätze, Mindestgebühren und Steuersatz weichen ab. Deine verbindlichen Werte stehen im Gebührenverzeichnis deines eigenen Seller Central.
Amazon-Provision = Referral Fee
Der zentrale Verkaufsabzug, den Amazon vom Verkäufer nimmt, ist die Referral Fee. Die Logik ist einfach: Weil Amazon den Kunden zu deinem Produkt „vermittelt“, behält es bei jeder abgeschlossenen Bestellung einen Prozentsatz des Verkaufsbetrags ein. Dieser Prozentsatz hängt von der Kategorie ab; in umsatzstarken, margenschwachen Kategorien wie Elektronik ist er niedrig, in Kategorien wie Zubehör und Körperpflege hoch. Die ungefähre Spanne bewegt sich zwischen 5 % und 20 %.
Die Referral Fee wird auf den gesamten Verkaufspreis des Artikels berechnet — also Artikelpreis plus etwaige Zusatzbeträge wie Geschenkverpackung. Da der Versand im türkischen Markt meist im Verkaufspreis enthalten ist, ist die Bemessungsgrundlage in der Praxis der Preis, den der Kunde zahlt. Den exakten Satz siehst du nur im Gebührenverzeichnis und in den Verkaufsberichten deines Amazon Seller Central; die Tabelle unten gibt die Richtung vor, ersetzt aber weder Vertrag noch Panel.
Der entscheidende Unterschied: 20 % USt. kommen obendrauf
Hier machen Verkäufer, die von Trendyol kommen, den häufigsten Fehler. Bei Trendyol wird die Provision auf den Bruttopreis angewandt und ist im Ergebnis bereits inklusive Umsatzsteuer — es kommt nichts mehr obendrauf. Bei Amazon läuft es umgekehrt: Der Referral-Fee-Satz wird auf die Nettobemessungsgrundlage angewandt, und auf den so errechneten Betrag kommen 20 % Umsatzsteuer hinzu. Der Abzug, der tatsächlich aus deiner Kasse geht, ist also um 20 % höher als der ausgewiesene Satz.
Ein Beispiel macht es klar. Für einen Artikel, den du für 600 TL brutto verkaufst, sei der Kategoriesatz 15 %:
- Nettobemessungsgrundlage: 600 ÷ 1,20 = 500 TL
- Referral Fee: 500 × 15 % = 75 TL
- USt. auf die Referral Fee: 75 × 20 % = 15 TL
- Von deiner Auszahlung abgezogen: 90 TL (75 + 15)
Läge auf denselben Artikel bei Trendyol eine Provision von 15 %, würde der Abzug direkt aus dem Bruttobetrag berechnet und keine weitere Umsatzsteuer daraufgesetzt. Bei Amazon ist die Rechnung dort, wo du den Satz siehst, noch nicht fertig: Die echten Kosten sind Satz × 1,20. Deshalb verhält sich eine Kategorie, die nach 15 % aussieht, in der Gewinnrechnung effektiv wie rund 18 % (75 + 15 = 90 TL; 15 % von 600).
Häufiger Fehler: die Referral Fee „nur in Höhe des Satzes“ ansetzen und die Umsatzsteuer vergessen. Wer bei einem 600-TL-Artikel in einer 15-%-Kategorie mit 75 TL rechnet, liegt pro Stück um 15 TL daneben, denn real sind es 90 TL. Über Hunderte Bestellungen führt diese Lücke dazu, dass du unter Kosten kalkulierst. Die Umsatzsteuer auf die Referral Fee kannst du in deiner Erklärung als Betriebsausgabe ansetzen — aus deinem Cashflow ist sie heute trotzdem raus.
Ungefähre Referral-Fee-Sätze je Kategorie
Die Tabelle unten zeigt ungefähre Referral-Fee-Spannen je Kategorie für Amazon Türkiye. Die Sätze hängen von der Unterkategorie und vom Preisband ab und werden über die Zeit aktualisiert; deshalb geben wir Spannen statt exakter Werte an. Der exakte Satz für deine Kategorie muss im aktuellen Gebührenverzeichnis im Seller Central geprüft werden. Die letzte Spalte zeigt grob, welchem Anteil am Verkaufspreis der Satz inklusive seiner Umsatzsteuer effektiv entspricht.
| Kategorie (ungefähr) | Referral Fee (netto) | Effektiv inkl. USt.* |
|---|---|---|
| Elektronik (Großgeräte, TV) | ca. 5–8 % | ca. 6–10 % |
| Computer und Tablets | ca. 6–8 % | ca. 7–10 % |
| Mobiltelefone und Zubehör | ca. 8–15 % | ca. 10–18 % |
| Bekleidung und Schuhe | ca. 12–18 % | ca. 14–22 % |
| Haushalt und Küche | ca. 12–15 % | ca. 14–18 % |
| Kosmetik und Körperpflege | ca. 12–18 % | ca. 14–22 % |
| Spielzeug und Baby | ca. 12–15 % | ca. 14–18 % |
| Bücher, Büro, Schreibwaren | ca. 12–15 % | ca. 14–18 % |
| Schmuck und Uhren | ca. 15–20 % | ca. 18–24 % |
| Baumarkt, Garten, Auto | ca. 12–15 % | ca. 14–18 % |
| Sport und Outdoor | ca. 12–15 % | ca. 14–18 % |
| Lebensmittel und Haustierbedarf | ca. 8–15 % | ca. 10–18 % |
* Effektiver Satz = Nettosatz × 1,20 (inklusive der 20 % Umsatzsteuer, die auf die Referral Fee aufgeschlagen werden). Diese Spalte zeigt die tatsächliche Wirkung des Abzugs auf den Verkaufspreis. Die Werte sind reine Referenzspannen; weil Amazon die exakten Sätze je Kategorie aktualisiert, ist das im Seller Central geltende Gebührenverzeichnis die einzige verbindliche Quelle. Kennst du deinen exakten Satz, kannst du mit dem USt.-Rechner den Nettobetrag herausrechnen und die aufgeschlagene Steuer sauber trennen.
Die Falle der Mindestgebühr
In den meisten Kategorien gilt bei Amazon eine Mindestgebühr für die Referral Fee. Ist der Produktpreis sehr niedrig, liegt der über den Satz berechnete Betrag unter dieser Schwelle — und Amazon zieht nicht den Satz ab, sondern die feste Mindestgebühr. Verkäufer günstiger Artikel übersehen diesen Posten in der Gewinnrechnung besonders oft.
Die Logik an einem Beispiel: Angenommen, die Mindestgebühr der Kategorie ist ein fester Betrag und du verkaufst einen Artikel für 20 TL. Aus 15 % ergeben sich nur ein paar Lira; liegt die Mindestgebühr darüber, springen deine anteiligen Kosten weit über 15 %. Ergebnis: Im Preisband von 10–30 TL ist die effektive Gebührenlast unverhältnismäßig hoch gegenüber teuren Artikeln. Deshalb ist der Verkauf sehr günstiger Produkte auf Amazon rechnerisch schwerer, als er zunächst aussieht.
Wenn du günstige Artikel verkaufst, prüfe zuerst die Mindestgebühr. Selbst bei niedrigem Nominalsatz greift sie im unteren Preisband und zieht den realen Abzugsprozentsatz nach oben. Der exakte Mindestbetrag steht Kategorie für Kategorie im Gebührenverzeichnis im Seller Central — prüfe ihn in deinem Panel.
Referral Fee vs. FBA-Gebühr: zwei getrennte Rechnungen
Diese beiden Begriffe werden am häufigsten verwechselt. Die Referral Fee ist die Provision dafür, dass du verkauft hast, und sie fällt bei jedem Verkauf an — egal, ob du selbst versendest (FBM) oder aus dem Amazon-Lager (FBA). Die FBA-Gebühr (Versandgebühr) ist dagegen ein völlig eigener Posten und fällt nur an, wenn du deine Ware ins Amazon-Lager schickst und Bestellungen über den Pick-Pack-Ship-Ablauf von Amazon abwickelst.
| Posten | Referral Fee | FBA-Versandgebühr |
|---|---|---|
| Wofür | Verkaufsprovision | Lagerung, Kommissionierung, Verpackung, Versand |
| Wann fällig | Bei jedem Verkauf (FBM und FBA) | Nur bei FBA-Nutzung |
| Berechnung | Verkaufspreis × Kategoriesatz + 20 % USt. | Fix nach Größe und Gewicht + USt. |
| Prozentual oder fix | Prozentual (Mindestgebühr möglich) | Fixbetrag je Einheit |
Ein Verkäufer mit FBA zahlt also sowohl die Referral Fee als auch die FBA-Versandgebühr; das eine ersetzt das andere nicht, beides stapelt sich. Dazu kommen Posten wie monatliche Lagergebühren, Zusatzgebühren für Langzeitlagerbestand und je nach Kontotyp eine monatliche Grundgebühr. Die komplette FBA-Kostenstruktur haben wir im Beitrag Was Amazon FBA ist und was es kostet ausführlich behandelt; die Versandgebühr je Produkt rechnest du mit dem Amazon-FBA-Rechner aus.
Die Referral Fee richtig in die Gewinnrechnung einsetzen
Für den korrekten Nettogewinn auf Amazon gelten vier Regeln:
- Satz auf die Nettobasis anwenden: Die Referral Fee wird auf die Basis Verkaufspreis ÷ 1,20 berechnet, nicht auf den Bruttopreis.
- 20 % Umsatzsteuer draufrechnen: Der echte Abzug ist Satz × 1,20. Ohne diesen Schritt setzt du den Abzug in jeder Bestellung um 20 % zu niedrig an.
- Mindestgebühr prüfen: Bei günstigen Artikeln gilt womöglich nicht der Satz, sondern die Mindestgebühr; der Abzugsprozentsatz fällt höher aus als erwartet.
- FBA getrennt rechnen: Die Referral Fee ist die Provision; FBA-Versand, Lagerung und Grundgebühr sind eigene Posten und ersetzen die Provision nicht.
Statt diese vier Schritte bei jedem Produkt von Hand zu rechnen, gibst du Verkaufspreis und Kategorie in den Amazon-Provisionsrechner ein: Referral Fee, die aufgeschlagenen 20 % Umsatzsteuer und der effektive Satz kommen automatisch heraus. Willst du Amazon neben andere Marktplätze legen und sehen, wo bei deinem Produkt mehr übrig bleibt, zeigt der Marktplatz-Gewinnvergleich die Abzüge aller Plattformen zum selben Preis auf einem Bildschirm.
Wo siehst du deinen eigenen exakten Satz?
An zwei Stellen. Erstens im aktuellen Gebührenverzeichnis im Amazon Seller Central: Dort stehen die Referral-Fee-Sätze je Kategorie und, falls vorhanden, die Mindestgebühren. Zweitens in deinen Transaktionsberichten nach dem Verkauf: Dort erscheinen die je Bestellung tatsächlich einbehaltene Referral Fee und deren Umsatzsteuer Zeile für Zeile. Passen beide Quellen nicht zusammen, ist entweder die Zuordnung zur Unterkategorie eine andere oder das Preisband hat die Mindestgebühr ausgelöst — dann lohnt der Blick in den Transaktionsbericht.
Eine zahlenbasierte Antwort auf die Frage, ob Amazon oder ein anderer Marktplatz bei deinem Produkt mehr Gewinn lässt, gibt der Beitrag Welcher Marktplatz ist profitabler: Er vergleicht denselben Artikel Abzug für Abzug über die Plattformen hinweg.
Den Satz zu kennen reicht nicht — du musst den Abzug verfolgen
Referral-Fee-Sätze werden je Kategorie aktualisiert, die Mindestgebühr greift bei günstigen Artikeln unerwartet, und den tatsächlichen Abzug siehst du erst im Transaktionsbericht. Verimle liest, sobald du dein Marktplatzkonto verbunden hast, die realen Abzüge jeder Bestellung (Provision/Referral Fee, Umsatzsteuer, Versand, Servicegebühr), ermittelt den Nettogewinn je Produkt automatisch und warnt dich, wenn ein Abzug höher ausfällt als erwartet. Findet es einen Abzug, der unberechtigt aussieht, erkennt es ihn und bereitet einen Widerspruchsentwurf vor — das Geld kommt nicht automatisch zurück, aber du hast den Nachweis in der Hand. Statt die Tabelle auswendig zu lernen, überlässt du die Überwachung dem System.
Zum Schluss: Die Referral-Fee-Sätze hier sind Orientierungswerte für Amazon Türkiye; Amazon aktualisiert sie nach Kategorie, Unterkategorie und Programm, und diese Tabelle ersetzt weder das geltende offizielle Gebührenverzeichnis von Amazon noch die Konditionen deines individuellen Verkäufervertrags. Prüfe den aktuellen Satz deiner Kategorie vor der Preisfestsetzung im Panel Amazon Seller Central sowie auf der offiziellen Gebührenseite von Amazon Türkiye; danach rechne den Nettogewinn mit dem Amazon-Provisionsrechner neu.